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Verbot der Sonntagsarbeit in Callcentern

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Kommt bald das Verbot für Sonntagsarbeit in Callcentern?

Seit November 2014 besteht in Hessen ein generelles Verbot für Sonntagsarbeit in Callcentern. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles möchte dieses jetzt bundesweit umsetzen. Im Grundgesetz ist verankert, dass Sonn- und Feiertage arbeitsfrei sind, mit einigen Ausnahmen, z. B. Ärzte, Feuerwehrleute, Busfahrer, Kellner etc.
Das Bundesverwaltungsgericht begründete sein Urteil mit der Ansicht, dass es keine zwingende Notwendigkeit gibt, ausgerechnet am Sonntag die Dienste eines Callcenters in Anspruch zu nehmen. Das könne auch an den übrigen Werktagen gemacht werden.
Dieses Urteil berücksichtigt in keiner Weise das veränderte Konsum-, Bestell- und Informationsverhalten in Deutschland. Immer mehr Menschen nutzen gerade ihren freien Sonntag, um Dinge in Ruhe erledigen zu können, die sie in der Woche nicht schaffen. Im Online-Handel ist der Sonntag der umsatzstärkste Tag. Wenn das Verbot der Sonntagsarbeit in Callcentern umgesetzt wird, ist zu befürchten, dass Firmen ihre Callcenter auslagern. Und dann vielleicht nicht nur am Sonntag sondern überhaupt. Damit gehen Arbeitsplätze in Deutschland verloren.
Dem gegenüber steht das Argument, dass sowohl die Gewerkschaft ver.di als auch kirchliche Verbände vertreten, dass die mühsam durch lange Jahre der Arbeitskämpfe erstrittene 5- bzw. 6-Tage-Woche und der „Heilige Sonntag“ schleichend ausgehöhlt werden.
Wirklich zukunftsweisend ist dieser Gedanke nicht: in einem Viel-Völker-Europa mit unterschiedlichen Glaubensrichtungen hat der Sonntag nicht für alle die gleiche Bedeutung. Besser wäre es, darüber nachzudenken, wie die „freien Tage“ jeweils genutzt werden und ob nicht das Grundgesetz an die heutigen Anforderungen angepasst werden müsste. Außerdem könnten die Menschen befragt werden, die an Sonn- und Feiertagen in Callcentern arbeiten.

Wie sehen Sie das? Sind Sie für oder gegen die Sonntagsarbeit in Callcentern?
Wir freuen uns über Kommentare!



2 Antworten zu “Verbot der Sonntagsarbeit in Callcentern”

  1. Der Call Center Verband Deutschland e.V. (CCV) hat das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts noch am Abend der Entscheidung öffentlichkeitswirksam scharf kritisiert – die Nicht-Erreichbarkeit von Unternehmen ist in der heutigen Dienstleistungsgesellschaft dem Kunden kaum mehr vermittelbar, der Service an sieben Tagen der Woche wird erwartet und gehört heute vielfach zum Standard. Nachdem in allen Bundesländern ähnlich lautende Bedarfsgewerbeordnungen existieren, treibt die Branche derzeit die spannende Frage um, ob und wie Bund und Länder eine einheitliche Regelung hinbekommen. Und: Wie diese künftig aussehen wird.

    Unser Branchenverband hat bereits wenige Minuten nach der Urteilsverkündung das Urteil scharf kritisiert und eine bundeseinheitliche Zulassung der Beschäftigung von Mitarbeitern in Callcentern an Sonn- und Feiertagen gefordert. Diese Forderung hat der Verband wenige Tage später in einem CCV Positionspapier manifestiert und wirbt seitdem bei den Behörden der Länder, bei Arbeits- und Wirtschaftspolitikern auf Bundes- und Länderebene für eine Freigabe der Sonntagsarbeit für den Kundendialog. Begleitend informiert die CCV Geschäftsstelle betroffene Callcenter Betreiber und Auftraggeber und vernetzt die Akteure in Hessen, um mit einem abgestimmten Vorgehen Verwaltungsentscheidungen in den Einzelfällen zu beschleunigen.

    Das Positionspapier „Kundenservice ist ein Bedürfnis der Bevölkerung“ ist unter https://callcenter-verband.de/mitglieder/mitgliederportal/ erhältlich.

    Das wichtigste Argument für die Sonntagsarbeit ist dabei, dass das Verbraucherverhalten und die Erwartungen moderner Konsumenten eine Verlagerung der Erreichbarkeit auf Werktage schlicht nicht zulassen. Wer heute im Wettbewerb steht, wird Kundenservice auch an Wochenenden anbieten (müssen) – im Versandhandel gilt der Sonntag sogar als einer der Tage mit dem stärksten Kontaktaufkommen. Diese Arbeitsplätze dürfen nicht ins Ausland abwandern, sondern müssen im Land gehalten werden. Deshalb hat der CCV zur CCW im Februar eine Studie zur Sonntagsarbeit vorgelegt, die diese Forderungen klar untermauert.

    Politik und Verwaltung haben erkannt, dass eine bundeseinheitliche Regelung notwendig ist. Eine gemeinsame Bund-Länder-Arbeitsgruppe wird bis zum Herbst 2015 konkrete Regulierungsvorschläge erarbeiten: Eine Änderung des Arbeitszeitgesetzes oder eine neue Rechtsverordnung könnten bundesweit Klarheit schaffen. Dafür, dass diese Regelung Sonn- und Feiertagsarbeit im Kundendialog künftig bundesweit einheitlich erlaubt, wird der CCV kämpfen – in vielen Gesprächen, Anhörungen und Aktionen. Die nächsten Gespräche sind für Mitte und Ende Juni geplant!

    Unterstützen auch Sie Ihren Interessenverband und damit die Branche! Werden Sie Mitglied im CCV! https://callcenter-verband.de/mitglieder/mitglied-werden/

    CCV Mitglieder erhalten im Mitgliederportal exklusiven Zugang zu weiteren Informationen!

  2. Petra sagt:

    Ich selber betreibe ein kleines Callcenter für ein Versandhaus. Meine Mitarbeiter und ich würden ungerne auf die Sonntagsarbeit verzichten. Viele Mütter, Studenten und Beruftätige gehen am Sonntag bei mr einen MINIJOB nach, den Sie in der Woche nicht ausüben können. Leider muß fast jeder in der heutigen Zeit sich etwas dazuverdienen.

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